Buch Rezension – “Der Arschloch Faktor” (R. Sutton)


Buch Rezension – Der Arschloch Faktor

Vom geschickten Umgang mit Aufschneidern, Intriganten und Despoten im Unternehmen

Robert I. Sutton

Notizen von T. Speil (2014)

Original-Titel: “The No-Asshole Rule

Amazon: link

  • Taschenbuch: 206 Seiten
  • Verlag: Heyne (3. März 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453600606
  • ISBN-13: 978-3453600607
  •  Durchschnittliche Kundenbewertung:    (51 Kundenrezensionen)

Meine persönliche Bewertung: 2 – 3 Sterne (“kann man lesen”)

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Der Titel des Buchs bringt es im Englischen etwas mehr auf den Punkt: die “No-Asshole” Regel in einem Unternehmen besagt: Wir wollen keine Mitarbeiter hier, die schlecht für andere sind und sie nur ausnutzen oder missbrauchen. Schon gar keine Chefs.

Außerdem geht das Buch darauf ein wie man damit umgehen kann, wenn man mit fiesen Zeitgenossen doch zu tun hat.

Das Buch geht auf einen Artikel, eigentlich eine Glosse, von Sutton im Harvard Business Review zurück, auf den er eine überraschende Flut von größtenteils emotional-positiven Reaktionen von Menschen erhielt, die dankbar waren, dass jemand ihrem langen Leiden einmal ein Sprachrohr gab.

Dem Buch merkt man allerdings auch an, dass die Kernaussagen in einen kurzen Artikel passen und das Buch darum herum gebaut wurde. Es lässt sich extrem schnell lesen, vieles überblättern und es gibt definitiv wesentlich bessere Bücher zum Thema Positive Psychologie, wie zum Beispiel “Before Happiness” von Shawn Achor.

Das Thema hat durchaus Brisanz, es ist erstaunlich, wie viele Bücher man bei Amazon mit “Arschloch” im Titel im beruflichen Kontext findet.

Warum habe ich es gelesen? Es war mir in mehreren anderen Büchern und Artikeln zu Positiver Psychologie aufgefallen und hatte eine Reihe sehr guter Kritiken. Zum “Mal zwischendurch lesen” schadet es wie gesagt nicht…

Meine eigentlichen Gedanken zum Inhalt die jetzt folgen, sind daher auch nicht sonderlich umfänglich, aber 1.300 Wörter sind es immerhin geworden …

wahrscheinlich habe ich das Glück in einem Umfeld zu arbeiten, das insgesamt ausgesprochen positiv ist.


Hier folgen meine eigenen Gedanken, die sich an den Inhalten des Buches orientieren und sich damit auseinander setzen:

Sutton ist Professor in Stanford.

Die ‘No Asshole Rule’ (“Anti Arschloch Regel”) ist schon über 20 Jahre alt.

Es geht im Kern darum, Menschen zur Zusammenarbeit nicht nur nach ihren fachlichen Fähigkeiten auszusuchen, sondern auch danach, wie sie sich in der Gruppe verhalten werden. Also keine Arschlöcher – der Schaden den sie der Gruppe und einen unternehmen antun ist größer als ihr fachlicher Nutzen.

Sutton hat das Buch geschrieben, nachdem er von vielen Lesern eines kleinen glossenhaften Artikels viel vehementen Zuspruch erhielt. Der deutliche Ausdruck passte zum emotionalen Frust vieler Menschen die schrieben, unter welchen Arschlöchern sie zu leiden hätten.

Negative Erlebnisse und Empfindungen wirken sich fünf mal stärker aus als positive. 

Auch die meisten Arschlöcher leiden – sie werden oft Opfer ihres eigenen Verhaltens, durch Karriere Rückschläge, Ausgrenzung und permanent selbst unangenehmen Situationen. Werden sie geoutet werden sie selbst gedemütigt. Außerdem müssen sie in ständiger Angst leben, ihren Status nicht behalten zu können.

Arschlöcher haben nicht wegen ihres widerlichen Verhaltens Erfolg, sondern wenn dann trotz dessen.

Ein Management Stil, bei dem die Mitarbeiter negativ behandelt werden führt in der Regel auch dazu, dass sie sich versuchen zu schützen, sich mit den Füßen wehren und auf keinen Fall mehr kreativ einbringen.

Es kann bei der Überzeugung des Managements sehr hilfreich sein, den Gesamtschaden durch ein Arschloch einfach mit groben Schätzungen zu beziffern und dann zu fragen, ob es das wert ist und weiterhin akzeptiert werden soll.

Als Unternehmen sollte man entsprechende Verhaltensregeln auch in den Leitlinien schriftlich definiert haben.

Vielen Menschen tut Macht nicht gut – sie geraten dann in eine Verhaltensweise, dass sie andere Menschen eben für weniger wert, weniger wichtig halten und nur als Mittel zu ihrem eigenen Zweck.

Wir neigen oft dazu, das Verhalten anderer als “Arschloch” abzutun, obwohl wir sie vielleicht einfach nicht verstanden haben, selbst in unseren Gedanken, Meinungen und Gewohnheiten bequem eingerichtet sind oder gerne Recht haben wollen – bzw. nicht akzeptieren wollen, dass der andere vielleicht gerade Recht hat und wir nicht.

Man muss sich also auch immer fragen, ob man selbst nicht gerade unfair ist oder sich sogar wie ein Arschloch verhält.

Urteilen Sie also nicht zu früh, nur weil andere das Etikett Arschloch oder Kotzbrocken für jemanden parat haben, den sie nicht gut kennen. Vielleicht fühlt er sich selbst ausgegrenzt oder gemobbt, oder er ist einfach ein ganz anderer Typ als Sie.

Wie bändigt man den eigenen inneren Mistkerl?

Jeder von uns, auch wenn wir mehr oder weniger nette Zeitgenossen sind, verhält sich ab und zu unangemessen, ätzend und uneinfühlsam.

Das kann uns unter Stress passieren, oder in bestimmten Situationen und bestimmten Menschen.

Leider ist Verhalten ansteckend …

Zum Glück wiederum kann man mit Achtsamkeit und Übung häufig etwas dagegen tun.

Von Da Vinci stammt die Einschätzung:

“Es ist leichter am Anfang zu widerstehen als am Ende”.

Daher überlegen Sie sich genau, ob Sie sich in Situationen begeben, in denen es unschön zugeht. Wenn Sie das wissen und auswählen können. Das Risiko ist hoch, dass es auf Sie abfärbt und hehre Ziele, die anderen zu ändern nicht funktionieren werden.

Unser Bewusstsein bestimmt in hohem Maß unser Sein, das ist eine der wichtigen Erkenntnisse der Psychologie und auch der positiven Psychologie.

Wenn Ihre Einstellung ist, so gut wie möglich zu sein und dadurch aufzusteigen, dass Sie den Menschen in ihrem Unternehmen möglichst viel helfen, werden Sie sich viel besser fühlen und viel für die Atmosphäre in Ihrem Bereich tun.

Wenn Sie aber die anderen als Konkurrenten sehen, ihnen misstrauen und denken, Sie konnten nur über Leichen nach oben kommen werden Sie viel Leid bei sich und anderen verursachen.

Beobachten Sie Ihre eigenen Worte und die anderer. Dies zeigt Ihnen oft schon, woher der Wind weht.

Wie oft ist zum Beispiel von Wir die Rede, und in welchen Bereichen fängt es an um Die oder Ich, Mich … zu gehen? Achten Sie gezielt auf Gemeinsamkeiten.

Wie Sie selbst sich sehen ist teilweise nicht so wichtig wie andere Sie sehen! Vielfach haben wir nämlich ein zu positives Bild von uns selbst.

Überlegen Sie auch für sich selbst, ob Sie vielleicht aus Ihrer kulturellen oder familiären Prägung heraus gefährdet sind, eher aggressiv zu reagieren.

Es ist nicht leicht, sich in solchen anerzogenen Ansichten und Verhaltensweisen zu ändern.

Sutton zitiert zum Thema Umdeutung (reframing, einer bekannten Methode aus den NLP Baukasten) Martin Seligman, einen der Väter der positiven Psychologie, aus dessen bekanntem Buch Learned Optimism:

“Wenn Menschen lernen, ihre Probleme als temporär zu sehen, als nicht von ihnen verschuldet und als etwas, das nicht von Dauer ist und nicht den Rest ihres Lebens ruinieren wird, schützt dieser Bezugsrahmen ihre geistige und psychische Gesundheit.”

Solche negativen Gedanken und Gefühle sind oft nur Hypothesen und irrational – sie übertreiben die Tatsachen.

Emotionspsychologen gemäß ist der Unterschied zwischen dem was Sie erwarten und dem was Sie im Leben tatsächlich erreichen entscheidend dafür, wie glücklich Sie sind.

Zu erwarten, dass sich die Arschlöcher alle ändern ist sehr unrealistisch und wird Sie unglücklich machen. Gewöhnen Sie sich lieber eine emotionale Distanz in diesem Kontexten an.

Leidenschaft, Engagement und Identifikation mit den Unternehmen sind fantastisch wenn das Unternehmen und die Umgebung positiv sind.

Wenn sie aber negativ sind und das eigene Ziel sein muss, mit intakter Gesundheit und Selbstwertgefühl zu überleben und seine Familie zu ernähren, braucht es eine gute Indifferenz. Das kann auch Burn Out verhindern.

Der klassische Autor Walt Whitman hat geschrieben:

“Ignoriere alles was deine Seele beleidigt.”

Das Gefühl der Kontrolle und Selbstbestimmung selbst über kleinste Dinge kann Menschen dabei helfen, auch die schlimmsten Situationen psychisch halbwegs heile zu überstehen. Im Extrem kann man dies an langzeitigen Gefangenen beobachten. Menschen wie Nelson Mandela, die dort trotzdem eine überragende Menschlichkeit behalten und ausgebaut haben.

Suchen Sie also innere Unabhängigkeit und kleine positive Dinge – Ihre Rituale – Pausen, freundliche Menschen, die Pflanze auf Ihrem Schreibtisch, der warme Tee …

Als Beispiele für Manager, die außerordentlich erfolgreich waren obwohl sie Arschlöcher waren nennt Sutton Steve Jobs, Michael Eisner und Larry Ellison.

Diese erzeugen oft eine Stärke Art von persönlicher Abhängigkeit: eine massive Furcht der Mitarbeiter, ihn zu enttäuschen.

Auch wenn die meisten solchen Arschlöcher männlich sind ist das durchaus nicht immer so: es gibt auch genügend weibliche Varianten von Arschlöchern.

Der Begriff des Alphatiers oder Alphamännchens beschreibt es gut – diese Art zu dominieren geht auf primitive, tierische Verhaltensmuster zurück, die Position des physisch Stärkeren, der droht, verletzt und mit Aggression und Wut unterdrückt.

Es kann tatsächlich wirksam sein, sich in bestimmten Situationen und auf bestimmte Arten strategisch als Arschloch oder verteidigungsbereit zu zeigen.

Sie signalisieren dadurch ja auch, dass mit Ihnen nicht zu spaßen ist und es unangenehm werden wird, sich mit Ihnen anzulegen.

Dies gilt insbesondere gegenüber desinteressierten, ignoranten oder faulen Leuten, um ihre Aufmerksamkeit zu erhalten.

Durch entsprechend abweisende Mimik kann man natürlich auch effektiv dafür sorgen, in Ruhe gelassen zu werden. Aber das geht oft auch anders.

Oft wird solch eine “böser Cop” Rolle von Managern auch an ihre Sekretärin gegeben – sie hält als Zerberus alle Störungen von ihrem Chef fern.

Viele Tyrannen sind fälschlich der Meinung, dass ihre fiese Art notwendig und Ursache ihres Erfolgs ist.

Außerdem sind sie vielfach auch einfach aufgrund ihrer Umgebung und gemachhten Erfahrungen entsprechend geprägt worden – bspw. durch eine “Ehren” Kultur und Machismo.

Oder sie haben einfach nie anderes Verhalten gelernt und haben eigentlich Angst oder sind unglücklich und versuchen es zu vertuschen.


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Stakeholdermanagement mit Persönlichkeitstypologien – T. Otto, Haufe Akademie


 

Der Vortrag wurde von Torsten Otto, Leiter des Competence Center Project-, Process- und Changemanagement der Haufe Akademie Frankfurt gehalten.

 

Wie üblich wurde der Stammtisch von Jürgen Ruff geleitet, Projektmanager und Coach.

Information zu den nächsten Veranstaltungen: http://www.pmifc.de/

Vormerken:

Der nächste Termin ist am 22.09.2014 mit dem Thema: Erfahrungsbericht zur globalen Einführung von Projekt-Mgt.-Prozessen und Projektmanagement-Tools in der IS/IT der ABB. Referent: Vinzenz Schreiner

 

Die Folien zum Vortrag finden sich hier:

Folien Stakeholdermanagement_T_Otto_20140811_public

 

Herr Otto erläuterte im Vortrag unter anderem, welche Erfahrungen er in Projekten mit der Persönlichkeits-Einschätzung von Stakeholdern mit dem dem Riemann-Thomann Modell gemacht hat.

Dieses basiert auf einer Einschätzung anhand der Gegenpol-Achsen

Nähe <-> Distanz

Wechsel <-> Dauer

Erwähnt wurden auch andere Persönlichkeits-Typologien wie bspw. der MBTI, das Insights Modell oder das Team Management System (TMS).

Interessant waren auch die kleinen Praxis-Übungen, die Herr Otto in den Vortrag eingestreut hat.